Narrationsgedanken

Le symbole constitue la réalité humaine. (J. Lacan)

The Lobster als dystopische Hyperbel moderner Entfremdung

Marcel Levermann - Mrz• 18•16

The Lobster The Lobster erzählt von einer dystopischen Gesellschaft, in der Menschen nur in Paaren öffentlich leben und agieren dürfen. Wer seinen Partner verliert oder keinen findet, wird in ein Hotel einquartiert. Dort hat er eine festgelegte Zeitspanne zur Verfügung, einen Partner zu finden. Bleibt dies ohne Erfolg, wird er in ein Tier verwandelt. Die einzige Alternative wäre, sich als Individualist in den Wäldern aufzuhalten, unter der Gefahr, wie ein Tier von den Hotelinsassen gejagt zu werden. Was auf den ersten Blick als Phantasiegeschichte anmutet, ist eine zugespitzte Allegorie auf die Funktionsweise menschlicher Denkweisen in der zivilisierten Welt. The Lobster ist eine Hyperbel der modernen Entfremdung.

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Die Notwendigkeit von Paul Rebillots Heldenreise in einer kafkaesken Welt

Marcel Levermann - Jan• 25•16

Paul Rebillots Buch zur Heldenreise

Paul Rebillots Buch zur Heldenreise

Paul Rebillot (1931-2010) war ein amerikanischer Dramaturg und Psychotherapeut. Von ihm stammt das Konzept der Heldenreise, das Theater und Therapie vereint. Die Heldenreise ist nicht nur ein oberflächliches Schauspiel, sondern erlaubt dem jeweiligen Helden den tiefenpsychologischen Durchlauf eines archetypischen Grundmusters. Der Teilnehmer durchläuft dabei verschiedene Stadien, die sich sowohl aus individuell imaginierten Vorstellungen als auch aus real gespielten Szenen zusammensetzen. Die Teilnehmer lernen so, mit inneren verborgenen Feindseligkeiten umzugehen und positive Selbstsicherheit zu entwickeln.

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Die Friendzone als ödipale Katastrophe in Slow West

Marcel Levermann - Dez• 29•15

Slow WestAchtung, starker Spoiler!

Der Neo-Western Slow West erzählt die Geschichte des jungen Jay Cavendish, der gen Westen reitet, um seine Liebe Rose Ross wiederzufinden. Einst wurde Jay von seinem Onkel unter ihrem Bett aufgefunden, wodurch es zu einer handfesten Auseinandersetzung mit ihrem Vater John kam. Der gut betuchte Onkel starb infolgedessen, so dass Rose mit ihrem Vater in den Westen fliehen musste. Obwohl Rose explizit gegenüber Jay formulierte, dass dieser nur wie ein Bruder für sie sei, hält er entschieden an seiner Liebe fest. Gegen Geld erhält er Unterstützung vom Kopfgeldjäger Silas Selleck, auch gegen weitere Kopfgeldjäger. Der Film erzählt die Geschichte eines unerschütterlichen Glaubens an die Gewissheit des romantisierten Verliebtseins, der zu einer bitteren Niederlage verurteilt ist. Solche vordergründigen Details entsprechen der Oberflächenstruktur der Geschichte. Paul Ricoeur unterschied eine solche Oberflächenstruktur von einer narrativen Tiefenstruktur, die sich auf die unspezifische Handlungsbewegung bezieht und prototypisch ist.

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Zur Konstruiertheit diagnostischer Kategorien

Marcel Levermann - Nov• 30•15

Diagnostic and statistical manual of mental disorders

Das DSM-V dominiert die psychopathologische Diagnostik. Gerne unberücksichtigt bleibt dabei, dass alle Diagnosen im Bereich der Psyche konstruiert sind. Es sind vom Menschen erdachte Kategorien, die heterogenen Phänomenen zugewiesen werden. So genannte psychische Störungen sind einerseits nicht derart voneinander abgrenzbar, wie es üblicherweise dargestellt und kommuniziert wird, und gestalten sich andererseits bei jedem Menschen etwas anders. Die Grenzen sind nicht nur fließend, es gibt sie überhaupt erst dadurch, dass durch Begriffe wie Borderline oder Dissoziation bestimmte Kategorien, die als hermetisch gelten sollen, evoziert werden. Diese Kategorien sind der Kommunikation wegen sinnvoll. Sie dienen dazu, Phänomene intersubjektiv zu erfassen und zu analysieren. Gleichzeitig müsste mehr berücksichtigt werden, dass sie sprachlich konstruiert sind und sich ihre individualphänomenologische Beschaffenheit empirisch nicht nachvollziehen lässt.

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